Berlin Alexanderplatz – Ein Platz im Umbau

Die sogenannte Schlossfreiheit

OBJEKT

Berlin – Alexanderplatz

ERBAUT / UMBAU

1805/ 1920 / 1960 / Heute

STANDORT

Am nordöstlicher Rand der historischen Mitte

MEDIEN

CGI-Bilder

Berlin Alexanderplatz – was war das?

BDer Alexanderplatz, kurz „Alex“, ist einer dieser Orte, die man nicht schön nennen kann – aber ohne die Berlin unvollständig wäre. Früher war er der Ochsenmarkt, bis 1805 der russische Zar Alexander I. vorbeikam und die Berliner sich dachten: „Na gut, dann eben Alexanderplatz.“

Im 19. Jahrhundert entwickelte er sich zum Großstadt-Brennpunkt: Bahnhöfe, Kaufhäuser, Bierhallen

Im 19. Jahrhundert entwickelte er sich zum Großstadt-Brennpunkt: Bahnhöfe, Kaufhäuser, Bierhallen – hier tobte das Leben. Alfred Döblin machte den Platz 1929 mit Berlin Alexanderplatz zum Symbol der modernen, chaotischen Metropole. Im Krieg wurde fast alles plattgemacht, die DDR räumte den Rest weg und setzte auf weite Flächen, Beton und Symbole: Fernsehturm, Weltzeituhr, Brunnen der Völkerfreundschaft. Fertig.

Nach der Wende kamen große Pläne für Wolkenkratzer – und blieben voresrt größtenteils Papier. Heute ist der Alex Shopping-Meile, S-Bahn-Knoten, Treffpunkt für alles und alle – laut, unfertig und herrlich unprätentiös.

Alexanderplatz Luftbild

Auf unserer Luftbild-Perspektive des Alexanderplatzes zeigt sich eindrucksvoll der Wandel des Ortes. In den 1920er-Jahren lag hier ein begrünter Platz mit Wegen und Bänken, flankiert vom Kaufhaus Hermann Tietz, einem Symbol der damaligen Warenhauskultur.

Im Kontrast dazu ragen heute die neu errichteten Hochhäuser in den Himmel: das schlanke Park Inn Hotel, der boxige Saturn-Bau, die glänzende Architektur des geplanten Gehry-Hochhauses und der entstehende Covivio-Turm. Zwischen Parkidylle von einst und gläserner Skyline von morgen spannt sich die Geschichte des Alexanderplatzes – ein Ort, der sich ständig neu erfindet und doch nie wirklich vollendet wirkt.

CGI-Rendering des Alexanderplatz: Historischer Vorher-Nachher-Vergleich

Alexanderplatz Damals

Kaufhaus Hermann Tietz vor dem Krieg

Alexanderplatz Heute

Heutiger Blick auf das Park-Inn Hotel

CGI-Galerie: Historische Ansichten des Alexanderplatz in Berlin

Die Berolina Statue

Bevor die Weltzeituhr drehte, stand hier die Berolina – Berlins “First Lady”, sieben Meter hoch und aus Bronze.“
Die Bronzefigur zeigte eine stolze Frauengestalt mit Krone, Schwert und Lorbeerkranz – Sinnbild für die Wehrhaftigkeit und das Selbstbewusstsein der aufstrebenden Reichshauptstadt. Im Volksmund war die Berolina beliebt: Man traf sich „unter der Berolina“ so selbstverständlich, wie man sich heute „an der Weltzeituhr“ verabredet.

Nach ihrer Aufstellung 1895 am Alexanderplatz wurde die Berolina 1927 abgebaut und im Zuge von Umbauten 1933 an einen neuen Standort am Alexanderplatz versetzt – doch auch dort blieb sie nicht lange, denn 1944 wurde die Statue eingeschmolzen – offiziell „für die Rüstung“, inoffiziell für den Größenwahn der Zeit. Heute erinnert am Alex nichts mehr an sie. Die Berolina ist verschwunden, aber im kollektiven Gedächtnis bleibt sie die erste Dame des Alexanderplatzes.

Alex Alle Zeiten

Zeit-Kollage 1850-2030

 0001 Alex Heute

Blick über die Rathausstraße Heute

Alex 1930

Blick über die Königstraße um 1920

Alex 1970

Blick entlang der Rathausstraße 1970

Alex 1880

Blick über die Königstraße um 1880

Architektur des Circus Busch: Historischer Rundbau und Technik in Berlin

Café Helms – Bohnen, Boudoirs und bürgerliche Blicke

Das Café Helms war ab dem späten 18. Jahrhundert so etwas wie die erste Adresse für Berliner Stadtflaneure. Es war mehr als ein Kaffeelokal – es war ein sozialer Aussichtspunkt, ein urbaner Balkon mit Blick auf das preußische Machtzentrum, das rote Schloss und die  Schinkelsche Bauakademie

Hier trafen sich Künstler, Beamte, Touristen und solche, die dafür gehalten werden wollten. Man sprach über Theater, Politik, die neueste Oper von Spontini – und natürlich darüber, wer im Schloss ein- und ausgeht. Die Fensterplätze galten als begehrt, die Pralinen als legendär, und die Kellner als so preußisch wie höflich.

Man könnte sagen: das Café Helms war Berlins Antwort auf das Wiener Kaffeehaus – nur mit mehr Blick auf Militärparaden und weniger Schlagobers.

Das Café Helms war aber nicht nur ein beliebter Treffpunkt an der Berliner Schlossfreiheit, sondern auch ein technisches und gestalterisches Novum: Es handelte sich um einen der frühesten Fertigbauten aus Eisenelementen in der Stadt. Die tragende Konstruktion bestand aus gusseisernen Stützen und Rahmenelementen, die vor Ort zusammengefügt wurden – eine damals moderne Bauweise, die Schnelligkeit und Stabilität vereinte.

Im Inneren war das Gebäude mit einfachen Bretterwänden verschalt, die im Gästebereich jedoch hinter eleganten Ledertapeten verschwanden. Diese waren mit dekorativen, vom Japonismus beeinflussten Ornamenten versehen – florale Muster, feine Linien, fernöstliche Motive. Das Café verband so technische Innovation mit gestalterischer Raffinesse und spiegelte die kosmopolitische Aufbruchsstimmung Berlins zum Ende des 19. Jahrhunderts – zwischen Gusseisen, Grüntee und Gesellschaftstanz.

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Less Rain Cafe Helms
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Der Abriss des Circus Busch 1937: Konflikte und Rettungsversuche

Less Rain Kaiser Wilhelm Nationaldenkmal

Kaiser Wilhelm Nationaldenkmal

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Kaiser Wilhelm Nationaldenkmal

Less Rain Schlossfreiheit

Schlossfreiheit

Less Rain Kaiser Wilhelm Nationaldenkmal

Kaiser Wilhelm Nationaldenkmal

Less Rain Schlossfreiheit Heute

Heute

Less Rain Schlossfreiheit Heute

Die Schloßfreiheit heute

Less Rain Kaiser Wilhelm Nationaldenkmal

Bauakademie

Less Rain Schlossfreiheit

Cafe Helms

Fazit: Zwischen Freiheit und Fassaden

Die Schlossfreiheit war ein Ort, an dem sich das bürgerliche Berlin seinen Platz am Rand der Macht suchte – mit Kaffee, Kultur und kluger Konversation. Doch Macht duldet keine Nachbarschaft. Das Café Helms musste weichen, weil der Thron sich ausbreiten wollte. Und so wurde aus einem Ort der Öffentlichkeit ein Denkmalplatz – und später ein freigeräumtes Nichts.

Was uns die Schlossfreiheit lehrt?

Dass Geschichte sich nicht nur in Pracht, sondern oft im Verlust der Zwischenräume zeigt. Und dass Berlin dazu neigt, seine Seele zuerst zu räumen – und danach das Denkmal dazu.

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