Die sogenannte Schlossfreiheit – ein heute fast vergessenes Stück Altberlin

Die sogenannte Schlossfreiheit

OBJEKT

LZ129-Hindenburg

ERBAUT / ABSTURZ

1936/ 1937

WERFT

Friedrichshafen

MEDIEN

CGI-Bilder
360 – Panorama Tour
VR

Die Schlossfreiheit – was war das?

Interior Design
an Bord der Hindenburg

Wie ein Zeppelin zum Symbol für modernen Luxus über den Wolken wurde

Wenn man heute an Luftschiffe denkt, hat man meist zwei Bilder im Kopf: eines von einer majestätischen Silhouette am Himmel – und das andere vom dramatischen Inferno der Hindenburg über Lakehurst im Jahr 1937.

Doch was oft übersehen wird: Die LZ 129 Hindenburg war nicht nur ein technisches Meisterwerk, sondern auch ein Meilenstein des Interior Designs – eines, das sich radikal vom überladenen Zeitgeist und dem traditionsschweren Design der Vorgängerzeppeline wie der Graf Zeppelin absetzte.

Sie verkörperte eine neue Form des Luxus: reduziert, leicht, funktional – ohne den goldenen Firlefanz, der vielerorts noch als schick galt.

Der Mann hinter diesem stilistischen Bruch war Fritz August Breuhaus de Groot.

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Fritz August Breuhaus de Groot (by August Sander 1927)

Fritz August Breuhaus de Groot (by August Sander 1927)

Der Designer hinter dem Wandel

Fritz August Breuhaus de Groot – ein Künstlername der nach schweren Holzmöbeln und Kristallkronleuchtern klingen könnte tatsächlich hier aber für das Gegenteil stand.

Für die Hindenburg schuf er eine gestalterische Gegenwelt zum dunklen viktorianisch anmutenden Interieur der Graf Zeppelin.

Seine Vision: eine schwebende Welt aus Licht Leichtigkeit und moderner Sachlichkeit – ganz im Sinne des Bauhaus-Gedankens aber mit einem Hauch mondäner Grandezza.

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Graf Zeppelin Interior 02

Graf Zeppelin Interior (1928), 8 years earlier than Hindenburg

Hindenburg Interior

Hindenburg Interior (1936-1937)

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Betreten der Lounge

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Zeppelin Interior
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Design als Statement:

Die Hindenburg war mehr als nur ein Verkehrsmittel – sie war eine fliegende Visitenkarte.

Ihre moderne Gestaltung war Teil einer politischen Inszenierung: Sie sollte zeigen, dass Deutschland technisch fortschrittlich und kulturell führend war.

Breuhaus’ sachliche, elegante Innenräume wirkten dabei wie ein bewusstes Gegenbild zu den oft pompös inszenierten Staatsbauten jener Zeit.

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Bevor sie in Flammen aufging und zum Symbol der Katastrophe wurde, war die Hindenburg ein Meisterwerk des Designs.

Fritz August Breuhaus de Groot hat mit ihr ein Interieur geschaffen, das bis heute fasziniert – eine Mischung aus Leichtigkeit und Luxus. Ein Meisterwerk des Modernen Geistes der wenige Jahre später erstickt wurde.

Vielleicht war die Hindenburg das eleganteste Transportmittel, das je gebaut wurde – ein fliegender Palast, der ebenso tragisch wie schön war.

Und ganz ehrlich: Wer würde nicht gerne einmal im Salon sitzen, Kaffee trinken – und mit 130 km/h lautlos über den Atlantik gleiten? Oder mit dem Graf Zeppelin – wie bereits 1927 geschehen – nach Tokyo reisen?

Die Lounge: Luftige Leichtigkeit statt Messing und Plüsch

Die Lounge war das Herzstück – lichtdurchflutet durch große Fenster ausgestattet mit Aluminiumstühlen Ledersesseln und pastellfarbenen Polstern. Alles wirkte hell leicht fast schwerelos.

Ein bewusster Bruch mit dem schweren historisierenden Interieur früherer Zeppeline das eher an Herrenclubs als an den Himmel erinnerte. Selbst die Tapeten bestanden aus mit Seide überzogenem Aluminiumgewebe – eine Symbiose aus Leichtbau und Luxus.

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Die Schreib-Lounge: Schreiben mit Aussicht

Ein kleiner heller Raum mit integrierten Schreibtischen feinem Zeppelin-Briefpapier und einem dezenten Briefschlitz durch den Luftpost direkt an die Bordcrew übergeben wurde.

Breuhaus’ Design: reduziert ruhig durchdacht – ein Kontrast zu den verschnörkelten „Lesesalons“ der früheren Luftschiffe.

Der Speisesaal: Funktional, aber fein

Statt dunkler Holzvertäfelungen und Messingbeschläge bot der Speisesaal der Hindenburg ein klares, funktionales Design – fast maritim-modern.

Weiße Tischdecken, schlichtes Mobiliar, und dennoch elegant. Das kulinarische Angebot blieb klassisch opulent, doch der Raum, in dem man speiste, war stilistisch bereits in der Zukunft angekommen.

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All Square 0001 Kabinen

Die Kabinen: Minimalistischer Style

Die Kabinen waren kompakt aber durchdacht: klappbare Waschbecken eingelassene Schränke stoffbespannte Wände. Kein überflüssiger Zierrat keine goldenen Beschläge – dafür eine clevere Raumnutzung und ein Hauch von Zugabteil-Luxus.

Fenster gab es keine doch der Zugang zur Lounge mit Panoramaausblick war stets nah.

Die Raucherlounge: Hightech für den Laster

Trotz Wasserstofffüllung – ja es gab eine Raucherlounge. Luftdicht abgeriegelt mit Überdrucksystem und einem einzigen Feuerzeug.

Auch dieser Raum war modern sachlich und zurückhaltend gestaltet – weit entfernt vom muffigen Clubraum-Flair der 1920er.

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Hindenburg Und Graf Zeppelin Small

Hindenburg (l) und Graf Zeppelin (r)

Speiseraum der Graf Zeppelin

Graf Zeppelinn Interior Small

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