Die Königsbrücke + Königskolonnaden und das Verschwinden einer Stadtansicht.

Die Königsbrücke – unter die Bahn gekommen

OBJEKT

Königsbrücke + Königskolonnaden -Berlin Mitte

ERBAUT / ABBRUCH

1777-1780 / 1882

STANDORT

ehem. Berlin-Mitte Königstraße  / Alexanderplatz
heute  in Schöneberg – Kleistpark

MEDIEN

CGI-Bilder

Die steinerne Königsbrücke verband ab 1777 die Berliner Altstadt mit dem nördlich gelegenen Alexanderplatz.

In Berlin hat alles seinen Platz – bis jemand entscheidet, dass der Platz für etwas anderes gebraucht wird. So auch bei zwei der einst repräsentativsten Bauwerke der preußischen Hauptstadt: der Königsbrücke und den dazugehörigen Königskolonnaden. Beide standen im Norden der Altstadt,  – am Eingang der Königstrasse – und wurden von der Geschichte überbaut und versetzt.

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Die Königsbrücke – unter die Bahn gekommen

Die steinerne  Königsbrücke verband ab 1780 die Berliner Altstadt mit dem nördlich gelegenen Alexanderplatz.

Sie war  eine der wichtigsten Spreequerungen in Berlin und zusammen mit dem Brandenburger Tor im Westen und dem Potsdamer Tor im SüdWesten eine der wichtigsten Durchlässe in der Stadtumgrenzung. Der Name war selbstverständlich kein Zufall: Die Brücke war Teil der repräsentativen Königstraße (heutige Rathausstrasße), Berlins bürgerlicher Hauptader vor dem Zweiten Weltkrieg.

Die Brücke war  Teil des barocken Stadtbildes, flankiert von den Königskolonnaden und geschmückt mit Sandsteinbalustraden mit Kandelaber tragenden Kindergruppen in barocker Eleganz. Preußisches Geltungsbedürfnis mit maximalem Anspruch.

Doch dann kam das Industrielle Zeitalter – und mit ihm der Wunsch, Züge nicht mehr um Berlin herum, sondern quer hindurch zu schicken und so wurde der bedeutungslos gewordenen Festungsgraben einfach zugeschüttet und die Stadtbahn darüber gebaut.

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Die überbaute Königsbrücke

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Steinerne Zeugen ohne Festen Wohnsitz

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Königsbrücke und Königskollonaden

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Die  Königskolonnaden, ein Werk des Architekten Carl von Gontard (1777-1780), bildeten das Schmuckstück der Brückenrampe – ein Ensemble aus doppelreihigen Säulen mit zahlreichen Attika-Figuren, das fast ein bisschen nach Weltstadt aussah.

Nach dem Abriss der Brücke war ihr Daseinszweck plötzlich fraglich – und durch das rasante Wachstum der Stadt war dann auch für die Kolonnaden kein Platz mehr.

1910 wurden sie demontiert und im Heinrich-von-Kleist-Park in Schöneberg wieder aufgebaut – in einer Anlage, die mit ihrer ursprünglichen Funktion und Lage absolut nichts zu tun hatte. Aber immerhin war dort Platz.

Heute stehen sie dort wie  ein barockes Echo, das aus dem falschen Jahrhundert zu sprechen scheint – pittoresk, schön, aber historisch vollständig entwurzelt und mit Graffiti übersät.

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Königsbrücke um ca. 1835

Königsbrücke um 1830-40

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Königsbrücke um ca. 1880

Königsbrücke um ca. 1880

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Fazit: Von königlich zu kurios

Die Königsbrücke: Nicht Opfer des Krieges, sondern der Eisenbahn. Sie wurde für die Berliner Stadtbahn abgerissen, und damit verschwand auch ein Stück barocker Stadttopografie – technisch notwendig, städtebaulich brutal.

Die Königskolonnaden: Ein Denkmal an den Berliner Pragmatismus: Wenn die Stadt mit ihrer Geschichte nichts mehr anzufangen weiß, verlagert sie sie kurzerhand an einen anderen Ort. Und trotzdem – oder gerade deshalb – strahlen die Kolonnaden noch immer etwas aus: eine stoische Grandezza, die allen Verschiebungen trotzt.

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