Markthallen 1 & 2 in Berlin-Mitte: Geschichte, Standort & Abriss

Die Markthallen I & II auf einen Blick: Geschichte, Standort und Rekonstruktion

OBJEKT

Zentral-Markthalle I
und Neue Markthalle II 

ERBAUT / ABBRUCH

1886 – 1963

STANDORT

Berlin-Mitte
Karl-Liebknecht- Strasse / Dircksenstraße
(ehem. Kaiser Wilhelm-Strasse / Neue Friedrich Straße)

MEDIEN

CGI-Bilder

Warum Berlin Markthallen brauchte: Stadtwachstum und Versorgung im 19. Jahrhundert


Die Markthallen I und II in Berlin-Mitte – Zentrum des städtischen Warenverkehrs im Wandel.


Im späten 19. Jahrhundert befand sich Berlin im rasanten Wandel: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum und neue hygienische Standards machten eine Neuorganisation der Lebensmittelversorgung notwendig.


Als Antwort darauf entwickelte die Stadt ein umfassendes Markthallenkonzept, das geregelte und überdachte Verkaufsorte schaffen sollte. Zwei zentrale Bausteine dieses Programms waren die Zentrale Markthalle (Markthalle I) und die Neue Markthalle (Markthalle II), beide im Berliner Stadtteil Mitte gelegen.

Zwei Hallen – Ein Marktzentrum: Die Berliner Markthallen I & II im Überblick

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Markthalle I – Die Zentrale Markthalle (1886–1963)

Die Markthalle I, eröffnet im Jahr 1886, war die erste kommunale Markthalle Berlins. Sie befand sich zwischen der heutigen Karl-Marx-Allee und der Rochstraße, in unmittelbarer Nähe des Alexanderplatzes. Mit einer Fläche von rund 3.000 Quadratmetern und Platz für mehr als 500 Verkaufsstände war sie ein Musterbeispiel moderner Stadtplanung und galt als Vorzeigeprojekt der Berliner Lebensmittelversorgung.

Die Halle war ein technisches und organisatorisches Novum: Eine Dachkonstruktion aus Eisen und Glas ermöglichte helle, luftige Innenräume. Ausgestattet mit Wasseranschlüssen, Abflüssen und Belüftungssystemen erfüllte sie erstmals hygienische Standards, die für den Lebensmittelhandel als vorbildlich galten. Sie diente nicht nur dem Einzelhandel, sondern war auch Umschlagplatz für den Großhandel und vernetzte durch den noch sichtbaren Gleisanschluss die Stadt mit dem landwirtschaftlichen Umland.

Markthalle II – Die Neue Markthalle (1890–1964)

Nur wenige Jahre später wurde, direkt benachbart, die Markthalle II eröffnet. Sie ging 1890 in Betrieb, um die Kapazitäten der stark frequentierten Markthalle I zu ergänzen. Die Neue Markthalle war in ihrer Grundstruktur ähnlich aufgebaut, aber in ihrer Architektur etwas einfacher gehalten. Auch sie diente als Verteilerzentrum für frische Lebensmittel, bot aber zusätzlich Raum für spezialisierte Händler und saisonale Produkte.

Das Zusammenspiel beider Hallen bildete über Jahrzehnte hinweg das Herzstück des Berliner Marktgeschehens im Zentrum der Stadt. Die räumliche Nähe zu Verkehrsknotenpunkten wie dem Alexanderplatz oder der Stadtbahn begünstigte ihre Rolle als zentrale Warenumschlagplätze.

CGI-Visualisierung: Die Zentrale Markthalle in Berlin um 1900

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Zentrale Markthalle Standort 1900

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Zentrale Markthalle Standort heute

Historische CGI-Galerie: Die Markthallen I & II in Berlin als digitale Rekonstruktion

Ein Tempel des Handels, der nur noch in Geschichten lebt

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Blick entlang der Kaiserwilhlm Straße auf die Markthalle I (Im Hintergrund das Gentanderhaus)

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Blick entlang der Kaiser Wilhem Straße (ohne Kirchhof-Gebäude)

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Blick entlang der Kaiser Wilhem Straße (mit Kirchhof-Gebäuden)

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Heutiger Blick entlang der Karl-Liebknecht Straße Straße

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Eingang der Markthalle I aus dem Blick durch die Königskollonaden

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Eingang der Markthalle I von der Gontardstraße (Rechts der Bahnhof Alexanderplatz)

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Eingang der Markthalle I von der Gontardstraße (Rechts der Bahnhof Alexanderplatz)

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Eingang der Markthalle I von der Gontardstraße aus

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Gleisanschluß der Markthalle I (Blick vom Bahnsteig des Bahnhofs Alexanderplatz)

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Gleisanschluß der Markthalle I

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Gleisanschluß der Markthalle I (Im Hintergrund die Galeria)

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Im Inneren der Zentralmarkthalle I

Vom Krieg zum Abriss: Das Ende der Berliner Markthallen (1945–1964)

Kriegsfolgen, Bedeutungsverlust und Abriss

Beide Markthallen überstanden den Zweiten Weltkrieg in beschädigtem, aber reparablem Zustand. Doch der wirtschaftliche Strukturwandel in der Nachkriegszeit, das Aufkommen von Supermärkten sowie die veränderten städtebaulichen Vorstellungen in Ost-Berlin führten zu ihrem schrittweisen Bedeutungsverlust.

Im Rahmen der sozialistischen Neugestaltung des Berliner Stadtzentrums wurden beide Hallen aufgegeben:

Die Zentrale Markthalle (Markthalle I) wurde 1963 abgerissen und die Neue Markthalle (Markthalle II) folgte im Jahr 1964.

An ihrer Stelle entstanden breite Verkehrsachsen, neue Wohn- und Verwaltungsbauten sowie Freiflächen entlang der neu konzipierten Karl-Liebknecht-Strasse, die als sozialistisches Vorzeigeprojekt der DDR fungieren sollte. Heute   findet man an dem ehemaligen Stabdort u.a. einen Kaufland Supermarkt.

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Was bleibt von den Markthallen? Erinnerung, Visualisierung & Verlust

Erinnerung

Heute ist von den Markthallen I und II -ausser dem ehemaligen Gleisanschluss-Stummel- im Stadtbild nichts mehr erhalten. Ihre Bedeutung lebt jedoch in historischen Stadtplänen, Fotografien und unseren CGI Visualisierungen   fort. Sie stehen exemplarisch für eine Phase in der Geschichte Berlins, in der sich die Stadt bewusst modernisierte – sowohl technisch als auch sozial – und dennoch später viele dieser Errungenschaften im Zuge politischer und städtebaulicher Umbrüche wieder verlor.

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