Der große Schnitt – Wilhelm I. braucht Platz
Im Zuge der Reichsgründung 1871 und dem aufkommenden Kult um Kaiser Wilhelm I. änderten sich die ästhetischen und politischen Maßstäbe. Berlin sollte „repräsentabler“ werden, und was aus Sicht der Hohenzollern zwischen Thron und Volk lag, war störend – egal wie charmant, belebt oder historisch gewachsen es war.
Also beschloss man: Alles muss weg.
Zwischen 1884 und 1894 wurden sämtliche Gebäude der Schlossfreiheit abgerissen, inklusive des Café Helms. An ihrer Stelle wurde das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal errichtet: ein gigantisches Reiterstandbild unter einer Kuppelhalle, mit Kolonnaden, Bronzetafeln, allegorischem Pathos – und maximaler Verachtung für bürgerliche Urbanität.
Ein öffentliches Wohnzimmer wurde geopfert für eine Monumentalinszenierung des Staates.
Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal überdauerte immerhin bis 1950 – dann fiel auch es dem politischen Wandel zum Opfer und wurde auf Befehl der DDR gesprengt und ging in den Parkplatz des Palast der republik über